Christophs High School Year in den USA
Name: Christoph
Alter: 15
My Highschool: Smyrna
In den USA:
August 2009 - Juli 2010
« neuere ältere »
Datum: 30.07.2010
Betreff: Letzter Bericht
Liebes TravelWorks Team!
In diesem letzten Bericht über mein High School Jahr möchte ich euch von den letzten Wochen vor meiner Heimkehr erzählen. Für mich war der 28. Mai schon der letzte Schultag, denn da meine Noten durchgängig sehr gut waren, musste ich keine Abschlussprüfungen schreiben, und konnte stattdessen eine Woche früher den Sommer genießen. Der Abschied von all meinen Mitschülern und Freunden fiel mir teilweise sehr schwer. Fast alle von ihnen verewigten sich jedoch in meinem Yearbook, so wie es dort üblich ist, und einige gaben mir sogar kleine Abschiedsgeschenke. Am Abend dieses letzten Schultages fand dann schließlich noch Bankett des Schul Soccer Teams statt auf dem jeder Spieler ein kleines Zeugnis vom Coach ausgestellt bekam, und ich noch einmal extra geehrt wurde. Mir wird das Team sicherlich sehr fehlen, nach all den gemeinsamen Trainingseinheiten am Nachmittag und den ganzen Spielen und Turnieren.
Meine Gastfamilie hatte sich noch einen großen Trip in den restlichen zwei Wochen, in denen ich noch bei ihnen war, vorgenommen. Mit insgesamt acht Leuten –meinen zwei Geschwistern, ihrer Oma, ihrer Tante, und deren drei Kindern – machten wir uns in nur einem Auto auf zu einem 4-Tage-Ausflug nach Chicago, Milwaukee und St. Louis. Neben meinen Besuchen in New York und Washington, DC war dieser Trip ein absolutes Highlight des Jahres. Wir besuchten ein Baseballspiel der Milwaukee Brewers, erklommen den höchsten Turm Nordamerikas sowie den „Gateway Arch“ in St. Louis, und staunten über die riesigen Straßenschluchten Chicagos. Ich kann gar nicht sagen wie dankbar ich bin, dass meine Familie soviel Aufwand betrieben hat, nur um mir noch mehr von ihrem Land zu zeigen.
Natürlich versuchte ich wenigstens etwas davon zurückzugeben, also überlegte ich mir einen Raclette Grill zu bestellen und ihn meiner Gastfamilie ihn als etwas typisch Europäisches zu schenken. Ich denke das gemeinsame Essen war eine gute Idee und hat allen sehr viel Spaß gemacht und gut geschmeckt, und außerdem können sie es auch immer wieder leicht ohne meine Hilfe benutzen, so wie meine deutsche Familie es jedes Jahr zu Silvester tut.
Am Tag des Abschieds kamen sowohl meine gesamte Gastfamilie inklusive Großeltern und Tanten und Onkeln als auch einige meiner Freunde aus meiner Small Group aus der Kirche mit zum Flughafen. Es wurde ein wenig hektisch als wir meine Koffer noch umpacken mussten, da bei der Gepäckabfertigung herauskam, dass ich einiges an Übergepäck dabei hatte, aber ansonsten verlief alles ohne Probleme. Auch der Abschied von meiner Familie war leichter als gedacht, obwohl ich natürlich sehr traurig war, dass ich sie alle auf unbestimmte Zeit nicht wiedersehen würde.
Nach insgesamt 18 Stunden Flug kam ich völlig übermüdet am Flughafen Hannover an, wo mich meine deutsche Familie und einige Verwandte und Freunde schon mit selbst gemalten Begrüßungspostern, deutschen und amerikanischen Fahnen eigens für diesen Anlass bedruckten T-Shirts erwarteten. Einige Tage später ging es dann in den Urlaub nach Holland.
Hier hatte ich genügend Zeit meiner Familie in aller Ruhe von all meinen Erlebnissen zu berichten und ihnen meine umfangreiche Sammlung von Erinnerungsstücken – angefangen bei Eintrittskarten zu Footballgames bis hin zu den Weihnachtsgeschenken meiner Gastfamilie – zu zeigen.
Nun bin ich wieder zu hause in Niedersachsen und bereite mich so langsam auf die Schule vor. Der Kontakt zu meiner Gastfamilie und meinen amerikanischen Freunden ist dank Facebook und Skype wirklich kein Problem, obwohl ich über den Sommer eher weniger Kontakt hatte. Trotzdem ist es mir wichtig, niemals völlig den Kontakt in die USA zu verlieren. Möglicherweise möchte meine Gastfamilie nächstes Jahr im Sommer nach Deutschland kommen um zu sehen wie ich so lebe.
Mein Jahr in den USA war geprägt von spannenden, witzigen und teilweise etwas befremdlichen Eindrücken eines Landes, das trotz vieler Übereinstimmungen ganz anders als Deutschland ist. Mit meiner Gastfamilie hatte ich unglaubliches Glück. Sie haben mir viel von ihrem Land gezeigt, mir immer geholfen, wenn ich Probleme hatte, und gemeinsam hatten wir eine tolle Zeit.
Mein Tipp an alle zukünftigen Austauschschüler ist: Der beste Weg Freunde zu finden ist es sich in der Schule und anderswo, zum Beispiel in der Kirche und Organisationen wie den Boy Scouts zu engagieren. Ich habe an mehreren Mission Trips meiner Kirche und einigen Camps mit den Scouts teilgenommen, außerdem war ich im Fußballteam meiner High School. Das waren für mich die besten Möglichkeiten Leute zu treffen und außerdem hat es natürlich sehr viel Spaß gemacht.
Alles in allem hatte ich eine unbeschreibliche Zeit. Ich möchte dem DFH und ganz besonders TravelWorks danken mir durch das Vollstipendium solch eine einmalige Erfahrung ermöglicht zu haben. Die Betreuung durch TravelWorks und auch den CIEE in den USA war optimal!
Ich glaube es gibt keinen besseren Weg als ein Austauschjahr die Kultur und Sprache eines Landes so gut kennenzulernen, und dabei noch so viel Spaß zu haben. Danke!!!
Viele Grüße nach Münster
Christoph
« neuere ältere »
Datum: 22.04.2010
Betreff: Soccer Team und anderes...
Liebes TravelWorks Team!
Seit Anfang des Jahres habe ich mich jetzt schon nicht mehr gemeldet, dabei ist in den vergangenen Wochen und Monaten einiges passiert.
Der größte Unterschied zum ersten Schulhalbjahr ist sicherlich, dass ich jetzt Mitglied des Soccer Teams meiner High School bin. Die ersten Wochen versprachen jedoch nicht viel Spaß; alle zwei Tage mussten wir nachmittags beim Konditionstraining zwei Stunden lang nichts als rennen. Mitte Februar fing dann das eigentliche Fußballtraining an und seitdem besteht mein Alltag aus fast nichts anderem: von morgens bis um 15.30 Uhr Schule und danach Practice bis etwa 18.30 Uhr. Dazu kommen jede Woche zwei Spiele. Das hört sich vielleicht langweilig an, aber ich finde, dass es eine der besten Entscheidungen war, dem Team beizutreten. Ich habe dadurch schon viele nette Leute kennengelernt und es ist ein tolles Gefühl für meine High School auf dem Platz zu stehen. Ich kann jedem nur empfehlen einem Sport Team oder einem anderen Club seiner High School beizutreten. Das ist die einfachste Möglichkeit Freunde zu finden und gleichzeitig seine Nachmittage zu füllen.
Der Unterricht ist weiterhin einfach und ich habe immer noch „Straight A’s“, obwohl ich fast nie für Arbeiten und Tests lerne. Könnte ich meine Kurse noch mal wählen, dann würde ich sicherlich schwerere wählen, denn zur Zeit langweile ich mich häufiger und mache mir schon Sorgen, dass ich womöglich nächstes Jahr in meiner deutschen Schule Probleme haben werde, weil ich hier alles vergesse
Kirche ist weiterhin zwei Mal pro Woche für jeweils 2 bis 3 Stunden. Anfangs war das zwar nicht so schlimm, weil die Kirche hier ja ganz anders ist als Kirche in Deutschland, aber mittlerweile suche ich manchmal nach Ausreden um nicht gehen zu müssen, weil mir das zusammen mit Soccer einfach zu viel wird. Es ist zwar nicht so, dass meine Gastfamilie mich zwingen würde zur Kirche zu gehen, aber ich will sie auch nicht enttäuschen und einfach zu Hause bleiben.
Während der Frühlingsferien (nur fünf Tage!) habe ich einen Trip nach Washington, D.C. mit meinem Politik-Kurs unternommen. Diese Stadt ist so voller Denkmäler und Monuments, dass mir die U.S. Hauptstadt fast noch besser als New York gefallen hat. Jeder der die Chance hat diese Stadt zu besuchen, sollte das unbedingt machen!
Nächstes Wochenende ist Prom an unserer High School und jeder redet schon voller Vorfreude davon. Allerdings bin ich ein Sophomore (10. Klasse) und nur Juniors und Seniors (11. und 12. Klasse) können am Prom teilnehmen. Hätte ich das am Anfang des Schuljahres gewusst, hätte ich vielleicht versucht Junior zu werden, schließlich habe ich letztes Jahr in Deutschland auch die 11. Klasse besucht.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich nun schon seit mehr als acht Monaten hier bin, schließlich kann ich mich noch ganz genau an meinen ersten Tag in der neuen Umgebung erinnern. Zwar bleiben mir noch 9 Wochen, aber ich schaue dem Abschied jetzt mit gemischten Gefühlen entgegen; auf der einen Seite freue ich mich natürlich auf Deutschland, aber ich möchte all das hier auch nicht zurücklassen.
Viele Grüße aus Smyrna, TN
Christoph
« neuere ältere »
Datum: 24.01.2010
Betreff: Weihnachten
Herzliche Grüße zum neuen Jahr aus Amerika!
Während in Deutschland ja gerade das erste Schulhalbjahr zu Ende geht, hat bei uns in Tennessee mit dem neuen Jahr auch das neue Schulhalbjahr schon begonnen. Hinter mir liegen ereignisreichen Wochen, so dass ich mich erst wieder in den „langweiligen“ Schulalltag einfinden muss.
Aber der Reihe nach: Die Adventszeit hier war einigermaßen unspektakulär. Zwar wurde viel und bunt und weihnachtlich mit Lichtern und gern auch mit Plastikzweigen und -tannenbäumen schon am ersten Advent geschmückt, aber das, was für mich zuhause Adventsstimmung ausmacht, so eine ganz bestimmte Atmosphäre, das habe ich für mich hier so nicht erlebt. Mit selbst hergestellten Adventskalendern, Nikolausüberraschungen und erzgebirgischem Räuchermännchen habe ich allerdings zur Freude meiner Gastfamilie ein bisschen deutschen Advent hier eingeführt.
In der letzten Woche vor den Weihnachtsferien haben wir in allen Fächern längere Abschlussarbeiten über den Stoff des ganzen letzten Halbjahres geschrieben. Vor diesen Arbeiten war ich schon etwas aufgeregt und habe mich gut vorbereitet, aber letztlich war alles halb so schlimm und ist gut ausgegangen.
Gleich am ersten Tag der Weihnachtsferien, am 18. Dezember, startete dann das „Weihnachtsprogramm“. Um es zusammenzufassen: es wurden die Sachen gepackt für eine Rundreise über mehrere Stationen zu Verwandten in Tennessee und Georgia, auf der es ein wunderbares Christmas Dinner nach dem anderen und immer wieder Geschenke gab. Die eigene Familienbescherung hatten wir aus praktischen Gründen übrigens schon gleich vor der Abfahrt zuhause erledigt Die größte Überraschung aber war, dass das eine Großelternpaar allen seinen Enkelkindern – zu denen ich dann nämlich auch gezählt wurde – eine Reise nach Florida schenkte. Und diese Reise wurde auch sofort angetreten: die eigentlichen Weihnachtsfeiertage verbrachte ich also unter Palmen in St. Augustine, der ältesten Stadt Amerikas, beim Schwimmen mit Delphinen. Ein weiteres ganz besonderes Weihnachtsgeschenk ist für mich ein handgestrickter Weihnachts-Strumpf mit meinem Namen drauf, den die andere Großmutter extra für mich angefertigt hat, weil ich nun auch für sie zu ihren Enkelkindern und zur Familie gehöre.
Unsere Kirche, die wir ja normalerweise gleich zwei Mal jede Woche besuchen, blieb über Weihnachten übrigens geschlossen: der Pastor müsste ja auch irgendwann mal frei haben und mit seiner Familie feiern… Nach dem Florida-Abenteuer fuhren wir über weitere Verwandtenstationen zurück nach hause, aber nur um dort schnell die Koffer umzupacken – ein weiteres Weihnachtsgeschenk war ein Ski-Trip nach Indiana zum Jahreswechsel. Ein wirklich kontrastreiches Weihnachtsferienprogramm: kein Weihnachtsgottesdienst, dafür aber Palmen und Schnee, Delphinschwimmen und Ski. Wie gesagt: die Eingewöhnung in den normalen Schulalltag fällt danach ein bisschen schwer.
Aber schon nach einem Schultag gab’s Abwechslung: in Tennessee fiel Schnee, also genau genommen lag ein Hauch von Schnee über der Landschaft. Da das hier aber nicht so häufig passiert, gab’s gleich 2 Tage schulfrei wegen Schnee. Und es breitete sich eine gewisse „Panik“ aus: die Leute legten doch tatsächlich „für alle Fälle“ Vorräte von Kerzen usw. an. Wir haben die unverhofften freien Tage jedenfalls genossen.
Inzwischen erlebe ich hier, dass die ersten Gastschüler, deren Austausch nur ein halbes Jahr dauerte, schon wieder nach hause reisen müssen – und alle bedauern das sehr. Auch ich habe anfangs gedacht, ein ganzes Schuljahr ist schon ein sehr langer, unüberschaubarer Zeitraum, aber es ist tatsächlich so: es braucht einige Eingewöhnungszeit bis man sich wirklich so „ganz normal zuhause“ in einer fremden Familie fühlt. Wenn es irgendwie möglich ist, würde ich aus meiner Erfahrung heute immer empfehlen, sich wenigstens die Option offenzuhalten auf ein ganzes Schuljahr zu verlängern, wenn man sich nicht gleich zutraut, so lange von zuhause weg zu gehen.
Herzliche Grüße!
Christoph
« neuere ältere »
Datum: 04.12.2009
Betreff: Amerika – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten?
Amerika – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten?
Mit dieser Frage könnte man meine Erfahrungen in den vergangenen vier Monaten hier in Tennessee überschreiben.
Ich weiß, dass Tennessee nicht „die USA“ ist, sondern nur einer der Staaten im sogenannten „Bible Belt“, einem Landstrich, der für die konservative, streng christlich-baptistisch geprägte Grundhaltung seiner Bewohner bekannt ist. Aber auch das ist eben Amerika – und das erlebe ich zurzeit hautnah.
Welche Jugendlichen bei uns würden schon auf „Missionsreise“ gehen, so wie ich mit meiner Kirche hier in den Herbstferien, als wir nach Kentucky gefahren sind? Wir haben dort in einer ärmlichen Region den Menschen auf verschiedene Weise geholfen: durch ganz praktischen Einsatz beim Hausbau bzw. der Hausreparatur, durch das Betreiben einer Kleiderkammer, durch Betreuungsangebote für Kleinkinder. Aber alles ganz ausdrücklich und immer wieder offen bekennend im Namen Gottes und der Kirche – fremd für mich.
„Bible Belt“ – das prägt auch die Einstellung der Menschen hier in mancher gesellschaftspolitischen Frage, wie ich mittlerweile in verschiedenen Diskussionen erfahren habe. Enge gesellschaftliche Konventionen führen da schon zu Begrenzungen im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“.
Auch in meiner Familie gibt es strenge und eigenwillige Regeln was Zeiten und andere Dinge angeht, aber ich halte mich daran, egal wie sinnvoll ich diese Regeln finde. Auf der anderen Seite zeigen sich meine Gasteltern nämlich mir gegenüber verständnisvoll und tolerant, wenn sie sehen, dass Dinge, die meine Privatsphäre betreffen, für mich vielleicht allzu gewöhnungsbedürftig sind. Ein Beispiel dafür ist eine Sitte, die schon auf der TW-Infoveranstaltung angesprochen wurde: es ist hier im Haus üblich, dass alle Zimmertüren offen stehen, auch nachts. Meine Familie hat mir gleich erklärt, dass sie es zwar so halten würden, dass ich aber selbstverständlich meine Tür schließen könnte.
Mittlerweile war ich auch schon krank: ich hatte eine fieberhafte Grippe, so dass ich zum Arzt musste, um auf Schweinegrippe und Streptokokken getestet zu werden. Meine Gastmutter hat sich – wohl in Zusammenarbeit mit der Local-Koordinatorin – um alles gekümmert wie bei ihren eigenen Söhnen. Sie hat auch meine Eltern in Deutschland sofort informiert, was ich nicht wirklich nötig fand, und mir angeboten, von der Arbeit zuhause zu bleiben, weil ich ja nicht zur Schule konnte, obwohl ich das nicht angenommen habe.
Ich habe inzwischen viele Kontakte zu amerikanischen Jugendlichen auch unabhängig von meinen Gastbrüdern, und wir teffen uns auch weiterhin mit den von CIEE betreuten Austauschschülern der Region zu allerlei netten Events.
In der Schule läuft nach wie vor von den Ergebnissen her alles bestens. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob ich hier nicht das Lernen geradezu verlerne – jedenfalls das, was ich aus Deutschland gewohnt bin. Natürlich war ich stolz, wegen meiner sehr guten Ergebnisse auf der „wall of renaissance“ veröffentlicht worden zu sein, aber ehrlich gesagt, empfinde ich das hier nicht als was wirklich besonderes, da man eigentlich alles „nur“ auswendig lernen muss. Selbständiges Erarbeiten von Stoff oder Wissen wirklich anwenden – das kommt hier im Prinzip nicht vor.
Und was die Verbesserung meiner englischen Sprachfähigkeiten angeht: ich glaube, ich bin schon mit einem ganz guten englischen Grundwissen hierher gekommen, so dass ich mich von Anfang an gut verständigen konnte. Umgangssprachlich aber lerne ich täglich neues und auch meine sprachliche Gewandtheit, wenn es darum geht, Dinge ausdrücken und zu umschreiben, nimmt weiter zu.
Zum Schluss noch ein paar gesammelte Eindrücke, die für mich zurzeit „typisch Amerika“ ausmachen:
• Das Auto ist das absolute Hauptverkehrsmittel. Öffentliche Verkehrsmittel über den Schulbus hinaus hab ich hier noch nicht gesehen. Deshalb brauchen Jugendliche hier auch wirklich früher ihre „driver’s license“ – sonst sind sie (so wie ich jetzt hier) immer angewiesen auf den Fahrservice ihrer Eltern, wenn sie irgendwo hin wollen.
Eine Lehrerin an meiner High School, die vor 20 Jahren hierher ausgewandert ist und auf dem Fahrrad zur Schule kommt, wird nur mitleidig belächelt.
• Entfernungen werde hier ganz anders wahrgenommen: es ist keine Seltenheit für ein Fußballspiel der Jugendmannschaft mal eben 3 ½ Stunden mit dem Auto zu fahren – eine Strecke!
• So richtige Innenstädte gar mit Fußgängerzonen zum Einkaufsbummel habe ich noch nicht gesehen. Zum Einkaufen fährt man in große „malls“ am Stadtrand. Und es gibt alle möglichen Geschäfte in der „drive trough“ – Variante: Restaurants, Banken, Apotheken usw.
• Amerikaner stehen tatsächlich auf „fast food“ à la Mc Donald usw. An jeder Straßenabfahrt stehen reihenweise nebeneinander die Restaurants der verschiedenen Fast-Food-Ketten und diese werden sehr gut frequentiert. Obwohl meine Familie sehr oft dorthin geht, sind sie im amerikanischen Vergleich selten bei Mc Donalds & Co. zu Gast.
Nachdem nun im Dezember auch in Tennessee wenigstens die Temperaturen auch deutlich heruntergegangen sind – im November konnten wir hier noch in T-Shirt und kurzer Hose am Lagerfeuer sitzen – kann jetzt auch hier langsam adventliche Stimmung aufkommen. Der deutsche „Nikolaus“ wird jedenfalls am 6. Dezember in den Mercedes Drive in Smyrna kommen, nachdem ich meinem kleinen Gastbruder schon mal „Lasst uns froh und munter sein“ beigebracht habe!
Eine gute Weihnachtszeit in Deutschland wünscht
Christoph
« neuere ältere »
Datum: 30.09.2009
Betreff: Die Wochen rennen dahin...
Die Wochen rennen nur so dahin – Zeit für einen neuen Bericht aus Tennessee!
Nachdem ich bei meinem letzten Eintrag ins Online-Tagebuch noch einigermaßen überwältigt war von allen neuen Eindrücken, habe ich mich mittlerweile „akklimatisiert“. Ich schwimme nicht mehr nur einfach mit den Ereignissen mit, sondern habe soviel Überblick gewonnen, dass ich eigene Entscheidungen treffen kann.
Aber das musste ich erstmal lernen: Gleich am Anfang meiner „Schulkarriere“ hier gab es für mich ein Problem zu lösen. Man hatte mich am ersten Tag in der Schule „überredet“, einen anderen Geschichtskurs zu nehmen, als den, den ich eigentlich gewählt hatte. Weil der Lehrer so toll wäre…. Naja, ich hab aber ziemlich schnell gemerkt, dass der Kurs nicht richtig für mich war – was also tun? Klar hatte ich sofort die Idee wieder zurück zu wechseln, aber in so einer neuen Umgebung gleich auffallen und mit Sonderwünschen erscheinen? Nach Rücksprache mit meinen deutschen Eltern habe ich die Angelegenheit vor Ort geklärt. Das hat Überwindung gekostet, aber Erfolg gehabt! Ich habe die Situation mit meiner Gastfamilie besprochen, habe die nötige Unterstützung erhalten und zu meiner Erleichterung den Kurs wieder zurück gewechselt.
Inzwischen schreibe ich nur noch selten nach Deutschland, telefoniert haben wir bis jetzt drei Mal. Aber ich freue mich immer, wenn ich dann viele mails aus Deutschland in meinem Postfach finde. Erstaunlich, aber es ist auch irgendwie nicht nötig, dauernd mit Deutschland in Kontakt zu sein, diese Zeit jetzt gehört Amerika.
Jetzt läuft in der Schule alles glatt. Ich kenne mittlerweile genügend Mitschüler, so dass ich bei der Mittagspause nicht allein am Tisch sitze und überall sonst auch ganz normal mit dazu gehöre.
Die erste 6-weeks-Bewertungperiode, die jetzt gerade zu Ende geht, werde ich mit sehr guten Noten abschließen und finde es zurzeit in der Schule sehr einfach im Vergleich zu Deutschland. Ob das so bleibt? Ich wundere mich jedenfalls, wie gut ich mit meinem Schulenglisch hier zurecht komme. Ich verstehe eigentlich fast alles und wenn es mal nicht so exakt verstehe, erfasse ich aber wenigstens den Sinn – das reicht dann meistens. Es braucht auch erstmal Mut, im Mündlichen richtig mitzuarbeiten, sich bei Referaten, Buchvorstellungen usw. vor der ganzen Klasse zu produzieren, manchmal muss man auch ein bisschen improvisieren, wenn unvorhergesehene Fragen kommen – aber alles nicht so schlimm, wie ich erst dachte!
Zu meinem Erstaunen wissen übrigens manche Schüler hier nicht besonders viel von Deutschland. Einige dachten sogar, wir würden in ganz Europa Englisch sprechen wie die Leute in Großbritannien! Eine Mitschülerin vermutete, ich hätte beim Englischsprechen eben einfach nur einen anderen Akzent, wie die Engländer auch.
In meinem Englischkurs werde ich demnächst ein Buch vorstellen, dass – natürlich in englischer Sprache und von einem englischen Autoren geschrieben ist – sich mit der deutschen NS-Zeit befasst. Mal sehen, wie das so geht.
Ich erlebe hier so vieles, dass ich in diesen Berichten immer nur einige Dinge etwas genauer beschreiben kann, alles andere ein bisschen gesammelt:
- Wir hatten inzwischen ein erstes Treffen mit allen CIEE-Austauschschülern, die hier in meinem Bezirk untergebracht sind. War ganz interessant, aber für mich persönlich nicht so wichtig.
- Gemeinsam mit einem deutschen Austauschschüler aus Berlin, mit dem ich mich ganz gut verstehe und der bei meiner Local-Koordinatorin wohnt, bin ich dem örtlichen Soccer-Verein beigetreten. Einmal in der Woche Training und jeden Samstagmorgen um 9.00 Uhr Spiel. Also eigentlich ist zweimal in der Woche Training, aber an dem einen Termin gehe ich mit meinen Gastbrüdern hier den Boy-Scouts. Mittwochabend und Sonntagvormittag gehen wir in die Kirche – ganz anders als ich es kenne – aber hier gehört es einfach dazu und wenn alle gehen, ist es irgendwie selbstverständlich. Und das Beste: Wenn bei einem ihrer drei Jungs Soccer ansteht, ist auch meiner Gastmutter klar: Soccer geht vor Kirche
- Ich kenne jetzt schon hier Soccer- und Football-Turniere, war bei einem endlos lang dauernden Baseballspiel und auch beim Eishockey, wo es richtig zur Sache ging und die Spieler sich blutig geprügelt haben. Für mich „shocking“, aber die anderen fanden’s ziemlich normal.
- Und in den Herbstferien fahre ich mit einer kirchlichen Jugendgruppe nach Kentucky: Wir werden „underprivileged people“ unterstützen. Das wir dann schon ein Teil meines „social project“ sein, das ja nach den CIEE-Vorgaben vorgesehen ist. Davon werde ich dann demnächst berichten, ebenso wie vom „school spirit“, den ich hier erlebe, wie ich es nie gedacht hätte und wie es für mich an deutschen Schulen unvorstellbar ist!
Grüße nach Deutschland
Christoph
« neuere ältere »
Datum: 17.08.2009
Betreff: Erste Eindrücke
Hallo liebes TravelWorks-Team!
Heute vor zwei Wochen bin ich aufgebrochen in mein “Abenteuer Austauschjahr“.
Die Zeit seitdem ist so angefüllt von neuen Eindrücken, dass es mir schon viel länger her erscheint, seit ich
• mit Freunden und Verwandten ein Abschiedsfest in Deutschland zuhause im Garten gefeiert habe,
• von meiner Familie und Freunden zum Flughafen nach Hannover gebracht wurde und
• mit einem lachenden und einem weinenden Auge -in Vorfreude und „Abschiedsschmerz“- den Flieger nach München bestiegen habe!
Von München ging es zusammen mit der ganzen Travelworks-Gruppe auf nach New York – oder genau genommen nach Newark, etwas außerhalb von New York. Dort erwarteten uns zwei prall gefüllte Tage mit gigantischen Eindrücken einer riesigen Stadt –leider bei ein bisschen trübem Wetter– und die erste Begegnung mit amerikanischen Essen – für meinen Geschmack zu mächtig in allem: zu viel, zu fettig, zu süß.
Egal wie beeindruckend New York war, schon während dieser Tage war ich eigentlich nur gespannt auf die erste Begegnung mit meiner Gastfamilie. Ich war sehr aufgeregt, als es von New York über Washington zusammen mit noch einer anderen Austauschschülerin losging nach Nashville, Tennessee. Wer kommt zum Abholen, würden meine Gastfamilie und ich uns gegenseitig erkennen, werden sie mich und ich sie verstehen? Und was sagt man überhaupt so am Anfang??? Und dann war alles ganz einfach: meine gesamte Gastfamilie erwartete mich mit einem unübersehbaren Plakat „WELCOME CHRISTOPH“ – und so fühlte ich mich dann auch: willkommen, angekommen, aufgenommen! Ich habe mich sehr über diesen Willkommensgruß gefreut, wir haben gelacht und irgendwie war’s dann ganz einfach.
Meine Gastmutter hatte es dann so organisiert, dass sie gleich noch am Freitag, an dem ich angekommen bin, mit mir zu meiner High School gefahren ist. Dort hat man mit mir meine Kurswahl besprochen hat, die ich schon von Deutschland aus getroffen hatte, und mir die Schule gezeigt, damit ich wenigstens schon eine Idee von den Örtlichkeiten hatte, bevor dann am Montag regulärer Schuljahresbeginn für alle war.
Ja, und nun stecke ich mitten in der Eingewöhnungsphase, die unglaublich anstrengend ist, was ich daran merke, dass ich immer lange, fest und traumlos schlafe, und die sicher noch ein bisschen dauert. Das allerwichtigste: in meiner Gastfamilie geht es mir wirklich richtig gut! Ich habe ein eigenes Zimmer, alle sind freundlich, mit meinen beiden „Brüdern“ Drew und Noah habe ich viel Spaß und insbesondere mit Fußball ein großes gemeinsames Hobby. Meine Gasteltern Donna und Eric sind beide sehr fürsorglich und bemühen sich sehr, mir alles zu zeigen, zu erklären und mich zu unterstützen, und: hier in der Familie wird richtig gut gekocht! Ich füge mich also erstmal einfach so in das Familienleben ein, mache alles mit von Fußballturnieren und Boy Scouts bis zu Kirchenbesuchen mit anschließenden Gemeindeleben – und es geht mir gut dabei.
Weniger gut geht es mir im Moment mit der Schule: dort ist einfach ALLES so anders als bei uns!! Ich habe das Gefühl, ich muss den ganzen Tag nur hetzen – von einem Fach zum nächsten und durch das Mittagessen, jeder Lehrer hat andere Regeln, viele Schüler beantworten Fragen des Lehrers schon, bevor der sie fertig gestellt hat, so dass ich noch gar nicht weiß, wie ich mich in den Unterricht einbringen soll, ich kann überhaupt nicht einschätzen in welcher Intensität die Hausaufgaben, über denen ich täglich lange sitze, tatsächlich erwartet werden, ich kenne keinen, usw., usw.
Aus der Entfernung mag das alles nicht so schlimm klingen, aber wenn man mitten drin steckt, ist das manchmal ganz schön frustierend! Jetzt heißt es erstmal durchhalten, denn vom Kopf her weiß ich, dass es einfach Zeit braucht, sich einzugewöhnen.
Deshalb werde ich an dieser Stelle auch auf weitere detailreiche Schilderungen von Familienleben, Freizeit und Schule verzichten – zuerst müssen sich die Eindrücke der letzten beiden Wochen in mir selbst sortieren.
Und auf die Frage: „Hast du’s schon bereut?“ antworte ich übrigens immer noch mit einem überzeugten „Nein, gar nicht!“
« neuere ältere »
Datum: 27.07.2009
Betreff: Vor der Abreise
Hallo liebes TravelWorks-Team!
In genau einer Woche beginnt nun mein High School Jahr in den USA und natürlich bin ich schon sehr aufgeregt, was mich so weit weg von meiner vertrauten Umgebung so alles erwartet: neue Leute, die High School, eine mir fremde Kultur.
Bei soviel Ungewohntem freue ich mich sehr, dass meine Gastfamilie schon relativ früh ausgewählt werden konnte.
Ende Mai bekam ich eine Mail von meiner Local Coordinator. Sie schrieb, dass sie mich möglichst bald irgendwo in der Nähe ihres Wohnorts in Tennessee vermitteln würde.
Nur drei Tage später erreichte mich bereits eine zweite Mail aus Tennessee – dieses Mal tatsächlich von meiner künftigen Gastfamilie! Die Gastmutter beschrieb kurz die Familie, schickte ein Foto von sich zu viert, und meinte, ich solle alles fragen, was mir einfiele.
Ich hatte natürlich nicht damit gerechnet schon so bald vermittelt zu werden, aber auf einmal nahm nun mein Traum vom Austausch konkrete Formen an.
Ich stand jetzt vor der Entscheidung, als erste Kontaktaufnahme von meiner Seite ebenfalls eine Mail zu schicken oder zum Telefon zu greifen. Obwohl ich mich mit der E-Mail wahrscheinlich sicherer gefühlt hätte, entschied ich mich schließlich fürs Telefon, weil es mir dann doch persönlicher erschien. Also fertigte ich mir ein paar Sätze vor, da ich Angst hatte, dass mir vor Aufregung nichts einfallen könnte. Zum Glück ging dann nur der Anrufbeantworter dran, was den Vorteil hatte, dass ich dort dann nur meinen vorbereiteten Text aufsprechen musste… Dennoch war man – wie ich später erfuhr – in Tennessee begeistert, meine Stimme gehört zu haben!
Am nächsten Tag folgte dann meine erste mail zu meiner Gastmutter, in der ich über mich und meine Familie erzählte und auch ein Familienfoto von uns schickte. Seitdem sind schon viele mails hin- und her gegangen, mit vielen Fragen und Antworten und mit Fotos aus meinem aktuellen Leben und aus dem der Gastfamilie. Auch mit meinem älteren Gastbruder geht der mail-Verkehr hin und her: ihn interessierte z.B. sehr, ob ich den schon jemals auf einer „Autobahn“ gewesen wäre!
Am häufigsten habe ich jedoch mittlerweile Kontakt zu meiner Gastfamilie über Facebook. Dort sind alle Familienmitglieder von dort angemeldet und zum Austausch von Neuigkeiten oder Fotos oder zum Chatten(!) ist das wirklich gut.
Meine Gastmutter war übrigens hoch erfreut, als sie feststellte, dass sie sich auch mit meiner echten Mutter auf Englisch verständigen kann. Der Kontakt ist ihr wichtig und sie hatte sich schon Sorgen gemacht, wie das wohl gehen würde.
Und: seit meine Heimatfamilie meine Gastfamilie kennt, ist auch bei meinen Eltern das mulmige Gefühl verschwunden, mich einfach so „nach Amerika“ gehen zu lassen. Amerika ist jetzt nicht mehr nur einfach groß und weit weg sondern ist konkret geworden und hat Namen und Gesichter!!